In der Welt von Gesundheit und Sicherheit gibt es ein Thema, das immer heikel ist: Bärte. Über Gesichtshaare im Zusammenhang mit Arbeitssicherheit zu reden, ist oft unangenehm, aber absolut notwendig. Bärte, so stylisch sie auch sind, stellen ein echtes Problem dar, wenn es um Atemschutz geht. Wir stecken ständig im Konflikt zwischen “cool aussehen” und “gesund bleiben”.
Bevor wir weiter ins Detail gehen, möchte ich eins klipp und klar sagen:
Wenn du eine eng anliegende Maske trägst, sei es eine Staubmaske, eine Halbmaske oder eine Vollmaske – du musst glatt rasiert sein, damit die Maske richtig schützt!
„Glatt rasiert“ bedeutet, dass es keine Stoppeln geben darf, wo die Maske an deiner Haut anliegt. Für manche heisst das, sich alle 24 Stunden zu rasieren, für andere sogar noch öfter.
Der Punkt ist: Wenn dein Bart das Abdichten der Maske verhindert, können kleine schädliche Partikel in deine Lunge gelangen und deiner Gesundheit schaden.
Wie dick ist ein Barthaar?
Um das Ganze mal in Zahlen zu fassen: Ein durchschnittliches Barthaar ist etwa 50 bis 100 Mikrometer dick. Zum Vergleich:
• Staubpartikel sind etwa 2,5 Mikrometer gross.
• Asbestfasern liegen zwischen 0,01 und 10 Mikrometern.
• Viren und Nanopartikel sind oft um die 0,1 Mikrometer gross.
Stell dir also vor, dass deine Maske wegen deines Bartes eine Lücke von 50 Mikrometern hat. All diese Staubpartikel und Asbestfasern kommen locker durch diese Lücke. Kurz gesagt: Dein Bart ist keine Konkurrenz für diese winzigen Gefahren.
https://www.visualcapitalist.com/visualizing-relative-size-of-particles/
Warum Fit-Tests wichtig sind
Hier kommen Fit-Tests ins Spiel. Bei einem richtigen Fit-Test wird gemessen, wie viele Partikel du tatsächlich einatmest, während du die Maske trägst. Vielleicht hast du schon Leute sagen hören: „Ich hab einen Fit-Test mit Bart gemacht und die Maske hat gepasst“ oder „Ich zieh die Maske so fest an, dass nichts durchkommt.“
Diese Aussagen sind aber nicht korrekt. Laut der Norm ISO 16975-3:2017 kann ein Fit-Test nur gemacht werden, wenn du glatt rasiert bist (innerhalb von 24 Stunden, idealerweise innerhalb von 12 Stunden).
Die Norm sagt ganz klar:
• Haare dürfen nicht zwischen die Dichtungsfläche der Maske und das Gesicht oder den Hals kommen.
• Haare dürfen die Ventile oder die Funktion der Maske nicht beeinträchtigen.
Ausserdem besteht ein Fit-Test aus mehr als nur Stillstehen und Atmen. Du musst den Kopf nach oben und unten, zur Seite bewegen, dich bücken und sprechen, um sicherzustellen, dass die Maske bei allen Bewegungen dicht bleibt. Wenn du die Maske so fest angezogen hast, dass sie sich anfühlt wie ein Schraubstock, wird dein Arbeitstag ziemlich unangenehm – und trotzdem ist sie wahrscheinlich nicht richtig dicht.
Fakt ist: Eine Maske und ein Bart funktionieren nicht zusammen.
Muss ich also komplett glatt rasiert sein?
Nicht unbedingt. Einige Bart- und Schnurrbartstile sind okay, solange die Haare nicht die Dichtung der Maske stören. Das bedeutet in der Regel, dass die Haare vor dem Kinn aufhören müssen. Aber wenn du einen Vollbart hast, wirst du höchstwahrscheinlich Anpassungen vornehmen müssen.
Was, wenn ich meinen Bart aus kulturellen, religiösen oder ästhetischen Gründen nicht entfernen kann?
Wenn Rasieren keine Option ist, brauchst du trotzdem Schutz. In diesem Fall ist die Lösung, ein Atemschutzgerät zu verwenden, das nicht auf einer engen Abdichtung im Gesicht basiert, wie z.B. ein Gebläse-Atemschutzgerät (PAPR) mit locker sitzender Haube.
Aber denk dran:
• Gebläse-Atemschutzgerät schützen nur, solange der Motor läuft. Achte also immer darauf, dass die Batterie voll aufgeladen ist, bevor du anfängst zu arbeiten.
• Gebläse-Atemschutzgerät sind teurer und müssen regelmässig gewartet werden, um sicherzustellen, dass sie gut funktionieren.
• Je nach Arbeitsumgebung musst du sicherstellen, dass dein Gebläse-Atemschutzgerät explosionsgeschützt (EX-Protected) ist, falls nötig.
Zusammengefasst: Auch wenn dein Bart Teil deiner Identität ist, gibt es beim Atemschutz keine Kompromisse. Ob du dich für eine Rasur entscheidest oder auf eine andere Art von Schutzausrüstung umsteigst – das Wichtigste ist, dass du auf der Arbeit sicher und gesund bleibst.
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