Diese Woche habe ich einer Firma geholfen, Mitarbeiter darin zu schulen, wie sie Schutzanzüge (Typ 5/6) zusammen mit ihrem Atemschutz richtig an- und ausziehen.
Diese Firma hat mit viel gefährlichem Staub zu tun, der beim Einatmen gesundheitsschädlich sein kann. Deshalb ist es super wichtig, dass die Anweisungen zum An- und Ausziehen dieser Schutzanzüge genau befolgt werden, um versehentliches Einatmen oder Kontamination zu vermeiden.
Viele Mitarbeiter in dieser Firma haben Bärte, was gerade voll im Trend ist, und sie wollen sich nicht rasieren. Daher wird hier standardmässig ein Gebläse-System mit einer Haube verwendet. Das ist passend, da dicht anliegende Masken bei bärtigen Gesichtern nicht richtig abdichten.
Aber ist das wirklich die beste Option?
Wie können wir das sicher wissen?
Hier kommt das Konzept des „Schutzfaktors“ ins Spiel.
Was bedeutet "Schutzfaktor"?
Der „Schutzfaktor“ oder Assigned Protection Factor (APF) gibt an, wie viel Schutz ein Atemschutzgerät gegen Schadstoffe in der Luft bietet, wenn es richtig angepasst und unter geeigneten Bedingungen verwendet wird.
Das Verstehen des Schutzfaktors von Atemschutzgeräten hilft bei der Auswahl der am besten geeigneten Ausrüstung für den Job. Aber es gibt auch andere Faktoren, die man berücksichtigen sollte:
- Die Art der zu schützenden Substanz.
- Das Ausbildungsniveau der Benutzer.
- Bedingungen am Arbeitsplatz, wie enge Räume oder zusätzliche Gefahren.
- Die Intensität der Arbeit – anstrengendere Arbeit erhöht die Atemfrequenz.
- Der Bewegungsumfang, der während der Arbeit erforderlich ist.
- Die Durchführbarkeit der Wartung der PSA.
SO NICHT!
Hier sind verschiedene Arten von Atemschutzmasken und ihre APFs gemäss deutscher Gesetzgebung:
- FFP1 Staubmaske: APF - 4
- FFP2 Staubmaske: APF - 10
- FFP3 Staubmaske: APF - 30
- Halbmaske: APF - 30
- Vollmaske: APF - 400
- PAPR mit Haube oder Helm: APF - 100
- PAPR mit dicht anliegender Maske: APF - 500
- Druckluft mit Vollmaske: APF - 1000
Wie bestimmt man den notwendigen Schutz?
Folge diesen Schritten, um herauszufinden, welcher APF erforderlich ist:
Schritt 1: Identifiziere die Gefahr und ihre Konzentration
- Bewerte die Art des luftgetragenen Schadstoffs am Arbeitsplatz (z. B. Staub, Dämpfe).
- Messe die Schadstoffkonzentration in der Luft, oft angegeben in Teilen pro Million (ppm) oder Milligramm pro Kubikmeter (mg/m³).
Schritt 2: Bestimme den Arbeitsplatzgrenzwert (OEL)
- Finde den OEL für den spezifischen Schadstoff, festgelegt von Regulierungsbehörden. Dieser Grenzwert zeigt das maximale sichere Expositionsniveau über einen 8-Stunden-Zeitraum an.
- Für Informationen zu OELs besuche: https://www.dguv.de/ifa/gestis/gestis-internationale-grenzwerte-fuer-chemische-substanzen-limit-values-for-chemical-agents/index-2.jsp
Schritt 3: Berechne den erforderlichen APF
Verwende die Formel:
Wähle einen Atemschutz, dessen APF den berechneten Wert erreicht oder übertrifft, um die Exposition unter den OEL zu reduzieren.
Schritt 4: Berücksichtige Passform und Eignung
- Stelle sicher, dass der Atemschutz gut passt, da eine schlechte Passform den Schutz erheblich verringern kann.
- Bewerte, ob der Atemschutz für die Arbeitsumgebung und das Aktivitätsniveau geeignet ist.
Schritt 5: Regelmässige Bewertung
- Überwache kontinuierlich die Luftqualität und bewerte das Atemschutzprogramm regelmässig neu, um die Wirksamkeit und die Einhaltung der Sicherheitsstandards aufrechtzuerhalten.
Beispiel:
Angenommen, ein Arbeiter muss einen Trockner entladen.
Der OEL der Substanz beträgt 10 µg/m³ und das Expositionsniveau wurde mit 1500 µg/m³ gemessen.
Daher benötigst du einen Atemschutz, der einen APF von mindestens 150 bietet. Geeignete Optionen sind:
- Vollmaske - APF 400
- PAPR mit dicht anliegender Maske - APF 500
Wenn der Arbeiter einen Bart hat, ist die Verwendung einer dicht anliegenden Maske an diesem Arbeitsplatz keine Option.
Danke fürs Lesen!
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