Warum sie oft vernachlässigt wird – und warum das problematisch ist
Letzte Woche durfte ich in einer Schweizer Autowerkstatt ein PSA Schulung durchführen. (Es hat mega viel spass gemacht!!)
Autowerkstätten stehen häufig unter grossem Zeitdruck. Ob es sich um den Wechsel von Sommer- auf Winterreifen handelt, kurzfristige Reparaturen oder enge Kundentermine – die Arbeiten müssen schnell und effizient erledigt werden.
In solchen Situationen wird die persönliche Schutzausrüstung (PSA) oft vernachlässigt.
Dabei zeigen die Schweizer Unfall- und Krankheitsstatistiken ein deutliches Bild:
- Rund ein Drittel der Berufskrankheiten in Autowerkstätten betrifft Lärmschwerhörigkeit
- Ein weiteres Drittel sind Hauterkrankungen wie z. B. berufsbedingte Dermatitis
- Etwa 13 Prozent entfallen auf Erkrankungen des Bewegungsapparates
- Hinzu kommen Atemwegserkrankungen und Augenverletzungen
Lärmschwerhörigkeit: Die unsichtbare Gefahr
Lärm entsteht in Autowerkstätten durch Druckluftwerkzeuge, laufende Motoren und Schleifarbeiten – oft in hallenden, schallharten Räumen.
Das Gefährliche daran: Der Hörverlust tritt schleichend ein und bleibt oft lange unbemerkt. Man merkt erst, dass etwas fehlt – wenn es bereits zu spät ist.
Empfohlene Schutzmassnahmen
- Kapselgehörschutz : Ideal für laute, kurzfristige Arbeiten; leicht zu reinigen und aufzusetzen
- Otoplastiken (massgefertigte Gehörschutzstöpsel) : Bieten langanhaltenden Tragekomfort und filtern Lärm, ohne die Sprachverständlichkeit komplett zu unterdrücken
Hinweis: Einwegstöpsel sind nur bei sehr guter Handhygiene sinnvoll – verschmutzte Finger beim Einsetzen können Gehörgangsprobleme verursachen.
Dermatitis: Häufig, schmerzhaft und gut vermeidbar
Der häufige Kontakt mit Ölen, Fetten, Reinigern, Treibstoffen und Chemikalien kann zu Hautreizungen und chronischen Hauterkrankungen führen. Besonders betroffen sind Hände und Unterarme.
Schutzmassnahmen für die Haut
- Chemikalienbeständige Handschuhe : Je nach verwendeter Substanz (z. B. Nitril bei Öl, Neopren bei Säuren) – immer mit Sicherheitsdatenblatt abgleichen
- Schutzcremes (Barrierecremes) :
- Ölbeständig bei Arbeiten mit Schmierstoffen und Treibstoffen
- Wasserlöslich als Unterziehschutz unter Handschuhen
- Rückfettende Pflegecremes : Nach der Arbeit auftragen – ideal sind Produkte mit Urea oder Panthenol
- Schonende Handhygiene : Keine Lösungsmittel oder aggressive Reinigungsmittel zur Hautreinigung verwenden
Erkrankungen des Bewegungsapparates: Die stille Belastung
Die Arbeit in Autowerkstätten erfordert häufig schweres Heben, Arbeiten in gebückter Haltung und sich wiederholende Bewegungen – besonders bei Reifenwechseln. Das führt langfristig zu Rückenbeschwerden, Knieschmerzen und Überlastungen.
Ergonomische Hilfsmittel und PSA
- Knieschoner und Anti-Ermüdungsmatten : Entlasten Gelenke bei Arbeiten am Boden oder bei langem Stehen
- Ergonomische Rollbretter und Werkstattstühle : Helfen, ungünstige Körperhaltungen zu vermeiden
- Aufgabenrotation : Abwechslung verhindert einseitige Belastung
- Ergonomisches Schuhwerk : Sicherheitsschuhe mit Fussgewölbestütze und Dämpfung unterstützen bei täglicher Belastung
Fazit: Sicherheitskultur statt Ausnahmezustand
In vielen Autowerkstätten wird PSA als störend oder zeitraubend empfunden – doch die gesundheitlichen Folgen von Lärm, Hautkontakt mit Chemikalien oder körperlicher Überlastung sind real und langfristig.
Eine konsequente Nutzung der passenden Schutzausrüstung – ergänzt durch Schulung und Vorbildfunktion durch Vorgesetzte – schützt nicht nur die Mitarbeitenden, sondern sichert auch die langfristige Leistungsfähigkeit des Betriebs.
Denn Arbeitssicherheit ist keine Zusatzaufgabe. Sie ist Teil des Handwerks.
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